Stranger Things ist eine meiner liebsten Serien. Gewesen? Die Frage muss ich mir zumindest nach dem dilettantischen Finale in Staffel 5 stellen.
Flackernde Lichter, rauschende Funkgeräte und mittendrin ein eingeschworener Freundeskreis. Das war Stranger Things im Jahr 2016. Selten zog Nostalgie so magisch an. Selbst wenn man Jahrzehnte nach den 80ern geboren ist.
Oktober 2017, Staffel 2 schlägt auf. Mit ihr eine neue Bedrohung. Arcade Highscores unserer geliebten Freunde werden gebrochen. Eine neue Vaterfigur drängt sich in das Leben der Byers. Und Monster, die gibt es auch noch. Staffel 3 verdoppelt die Wartezeit auf zwei Jahre. Nach der Einführung von Max als Gegenspielerin, die zum zentralen Mitglied wird, rückt ihr Bruder ins Rampenlicht der Handlung und des Bösen. Ein erneuter Wandel und erste Spuren von Belanglosigkeit.
2022 erscheint die wirrste Staffel. Die Freunde sind getrennt, wir sind nicht mehr in Hawkins, Hopper ist in einem Gefängnis in der Sowjetunion. Neue Figuren überspülen den Cast. Ziellosigkeit, nur eine Staffel vor dem großen Finale.
Weitere drei Jahre, ehe nun die letzte Staffel erschienen ist. Natürlich in drei Teilen. Doch statt einer grandiosen Dreifaltigkeit zeigt sich vor allem: Die Duffer-Brüder verstehen ihre eigene Serie nicht und der Masterplan war eine Lüge.
Die Vertrautheit ist der Gigantomanie zum Opfer gefallen. Mehr Darsteller, größere Locations, mehr Dimensionen, ein hochhausgroßer Fleischwulst eines Monsters. Kleine Menschen in der Kleinstadt kämpften einst gegen das Böse. Jetzt sind die Darsteller älter, also skaliert man den Rest mit – leider.
Dabei hätte ein Blick in die erste Staffel genügt, um zu verstehen, was die Serie so fantastisch machte. Der Zauber lag in der unheimlichen Anwesenheit des Abwesenden. Gruselig ist, was wir weder sehen noch verstehen. Ein Demogorgon im Klassenzimmer war genug, um ein schwer emotionales Staffelfinale zu schaffen. Es brauchte keine unzähligen Sequenzen am Planungsbord und pseudowissenschaftliche Erklärungen.
Die finale Staffel krankt aber auch an ihren aufgesetzten Dialogen. Im Pingpong-Spiel werden Sätze kitschig vervollständigt, während Millie Bobby Browns Elf/Eleven ausdruckslose Grimassen zieht. Zwischendrin wird die Apokalypse kurz auf Pause gestellt, um die sexuelle Identität von Will aufzuklären. Es ist beeindruckend, wie wenig Feingefühl man doch aufbringen kann.
Die Duffer-Brüder haben früh betont, schon zu wissen, wie die Serie enden wird. Jetzt, nachdem man das Finale gesehen hat, fragt man sich: Im Ernst? Belangloser hätte man gar nicht enden können. Von einem Masterplan gar nicht zu sprechen. Arme werden abermals ausgestreckt und das große Monster ist hinüber, hurra. Danach gibt’s ein Best-of der schönsten Momente aus fünf Staffeln und ein finales Dungeons and Dragons-Spiel. Der Kreis ist geschlossen, inklusive Gartensprenkleraufnahme. Rund ist die Sache aber jeglichen Charakter hat man verloren.

