Nach zuletzt wechselhaften Pixarfilmen kehrt das Studio mit Hoppers zu gewohnten Themen zurück. Die Auswahl ist dabei aktueller denn je.
Die letzten 5 Jahre Pixar waren ein qualitativer Flickenteppich. Animationsfilme wie Lightyear und Elio schienen dem Studio kaum gerecht zu werden, während Soul durchaus an die größten Filme des Studios herankam. Mit Hoppers versucht man sich an einem Hybriden, der vieles besser macht.
Mabel hat eine große Liebe für Tiere, tut sich aber mit ihren Mitmenschen schwer. Durch ihre Oma findet sie einen Ruhepol am See ihres Hauses in Beaverton. Jahre später lebt Mabel dort allein, als das Naturgebiet und seine Bewohner von einer geplanten Umgehungsstraße bedroht werden. Ihre Mittel sind begrenzt, doch ein Geheimprojekt ihrer Uni eröffnet eine einmalige Chance: Durch einen Apparat kann sie ihren Verstand kurzzeitig in einen hyperrealistischen Biber übertragen und so die Tiere um Hilfe bitten.
Herrschende Territorialkriege werden in Hoppers auf den Konflikt der Mensch- und Tierwelt übertragen. Eine sich am Horizont auftürmende Skyline kündigt eine Übermacht an, die mit großem Gefährt alles Natürliche zu tilgen versucht. Es geht um die Sinnlosigkeit dieser Invasion, die lediglich etwas Effizienz erhöht und vornehmlich der Selbstinszenierung des städtischen Oberhaupts dient.
Pixar zeigt uns die Bequemlichkeit des Nichtstuns, wenn Türen geschlossen bleiben und Gespräche nicht erwünscht sind. Wie wichtig der Dialog jedoch für das Miteinander ist, wird zum fortlaufenden Motiv. Die Figuren um Mabel durchlaufen mehrere Stufen der Kommunikation. Von Biber zu Biber, Biber zu anderen Tieren und im Finale von der Tierwelt zum Menschen. Mit jeder Steigerung sind die sprachlichen Barrieren und Ansichten schwerer zu vereinen.
Moderne Technik, die Überwindung und gleichzeitige Wahrung von Grenzen rahmen Hoppers. Zu ernste Töne schlägt man hierbei nicht an, der Spaßfaktor steht weiterhin stark im Vordergrund. Dadurch verwässert sich jedoch die eigentliche Botschaft. Gut und Böse werden zuerst als Konstrukte einer verzerrten Sicht präsentiert. Wenn es die Handlung benötigt, ist es dann aber doch in Ordnung, wenn unliebsame Figuren nach einer gescheiterten Kommunikation vernichtet werden.
Der Film versucht, das Weltgeschehen mit einer Art Leitfaden zu kommentieren. Wenig subtil kommt durchgehend der erhobene Zeigefinger zum Vorschein. Vor allem im letzten Akt fällt die Überfrachtung dahingehend auf. Da werden dann noch Waldbrände mit ins Spiel gebracht. Das passt zwar zu den Bibern, wird dem Thema durch die reine Ausschlachtung für ein visuelles Spektakel aber nicht gerecht.
Hoppers wirkt wie ein Best-of schöner Ideen. Während Pixars Klassiker einzelne Themen herausstellten, lässt die schiere Masse die Wichtigkeit der einzelnen Aspekte untergehen. Selbst die Roboter, die hier so wichtig sein müssten, sind lediglich ein Plot-Device. Hintergründe und Konsequenzen verbleiben als Randnotizen. Dabei hätte es ein Leitthema sein können, wenn man nicht gar von den menschlichen Figuren weichen sollte. Der wilde Roboter zeigte schon herausragend, wie gut das dennoch funktioniert.
Pixar liefert mit Hoppers den Beweis, dass wichtige Themen noch geschätzt werden. Ihre Botschaft sticht heraus, bleibt aber klein, weil man dem Publikum zu wenig zutraut. Zu sehr bleibt man hinter dem (durchaus gelungenen) Humor zurück. Der neueste Eintrag Pixars ist somit deutlich gewichtiger als die letzten Filme, für einen Klassiker reicht es aber noch nicht.


