Steven Spielberg bringt in Disclosure Day wieder Aliens auf die Leinwand. Die große Erleuchtung am Tag der Wahrheit wird uns jedoch vorenthalten.
Die Promo zu Disclosure Day glich einer rätselhaften Offenbarung. Plötzlich tauchten an unterschiedlichen Orten der Welt Plakate auf. Worum es geht, konnte nur gemunkelt werden. Die Spannung war groß, vor allem als die Verbindung zu Spielbergs bis dahin nur vage umschriebenem Ufo/Alien-Projekt hergestellt wurde.
Erzählt wird die Geschichte weniger mysteriös in zwei Erzählsträngen. Zuerst lernen wir den von Josh O’Connor gespielten Daniel Kellner kennen. Er ist Cybersicherheitsexperte beim Unternehmen Wardex und soll sensible Dokumente schützen – vor der Öffentlichkeit, fürs Vaterland. Unter der Leitung von Hugo Wakefield (Colman Domingo) wendet er sich jedoch ab, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.
Zeitgleich erlebt die sprunghafte Wettermoderatorin Margaret Fairchild (Emily Blunt) einen Offenbarungsmoment. Als ein kleiner roter Vogel in ihre Wohnung fliegt und sie anblickt, ist ihr Leben ein anderes. Plötzlich spricht sie neue Sprachen und kann Menschen nur beim Anblick durchschauen. Bald schon muss sie, genau wie Kellner, vor Wardex und deren Chef Noah Scanlon (Colin Firth) fliehen.
Spielberg ist seit Jahrzehnten von der Idee angetan, dass es weiteres Leben im All geben könnte. Seine Werke Unheimliche Begegnung der dritten Art, E.T. und auch A.I. erzählten von unterschiedlichen Facetten des Aufeinandertreffens von Mensch und Alien. Eins hatten sie gemeinsam: Ein Zusammentreffen wäre eine friedliche, uns bereichernde Erfahrung.
Disclosure Day knüpft daran an. David Koepp hat das Drehbuch verfasst und dafür von Spielberg etliche Seiten an Notizen bekommen. Damit soll alles abgedeckt sein, was der Regisseur noch zu dem Thema zu sagen hat. Genau diese Entstehungsgeschichte ist der Fallstrick des Films.
Religiöse Fragen oder auch die Rolle von TV-Sendern und Presse werden aufgegriffen, aber nie wirklich auserzählt. Das Szenario spielt in einer Welt am Abgrund. Was die Ursache ist, erfahren wir nur am Rande. Ähnlich wie bei Civil War tun die Umstände aber wenig zur Sache. Problematisch ist vielmehr die wechselhafte Zeichnung der Figuren und deren Entscheidungen, die etliche Logiklücken eröffnen.
Da wäre das Kernmotiv, wonach die Regierung das Wissen über Aliens bewusst zurückhält. Dafür repliziert man schlicht die gängige Verschwörungserzählung, hat jedoch rein gar nichts beizufügen. Gerade wenn eine der Hauptfiguren ein Whistleblower ist, fällt es schwer zu glauben, dass diese Terabytes an Videomaterial Jahrzehnte verdeckt blieben und nun vom erstbesten Analysten geleakt werden. Da die Geschichte in der Gegenwart spielt, hätte man Aspekte der Desinformation perfekt verarbeiten können. Der visionäre Anspruch kann gar nicht abgebildet werden, weil die Realität bereits viel weiter ist.
E.T. war beispielsweise als Familien-Sci-Fi-Film an mehreren Stellen erwachsen und emotional bedrückend. Disclosure Day richtet sich indessen an ein erwachsenes Publikum und erliegt doch dem spielbergschen Gefühl, dass hier die Hochglanzfassung eines Disneyfilms vorliegt. Alles ist super gedreht, gerade zum Ende hin auch sehr spannend, jedoch muss sich die Logik der moralischen Erzählung unterordnen. Dadurch wird vor allem die Gegenseite im Finale in die Lächerlichkeit überführt. Es gibt schlichtweg keine Fallhöhe, die eine Emotionalität auslösen könnte. Gerade dann, wenn der Film zum Politthriller werden könnte, verfällt Spielbergs Film wieder ins Märchenhafte.
Am Ende bleibt die Offenbarung leider den Hauptfiguren vorbehalten. Abseits der christlichen Metaphorik und des Actionfokus kann Steven Spielberg nicht klarmachen, was er hier Neues erzählen wollte. Die Art der Begegnung deckt sich mit seinen früheren Werken, lediglich der Weg dahin wird nun mit dem Auto statt mit dem Fahrrad befahren.


