Daredevil: Born Again startet in die zweite Staffel. Eine Wiedergeburt oder wenigstens ein paar Schritte vorwärts bleibt uns Disney weiterhin schuldig.
Wie schon in Staffel 1 ist Wilson Fisk (Vincent D’Onofrio) aka der Kingpin der Bürgermeister von New York City. An seinen Machenschaften haben sich nur die Wortwahl und die Lokalität geändert. Er ist die ewige Nemesis von Daredevil (Charlie Cox) aber noch viel mehr von uns Zuschauern. Bereits seit 2015 kämpft Daredevil gegen ihn an, damals noch bei Netflix. Er war der angsteinflößendste und brutalste Bösewicht, den Marvels Verfilmungen hervorgebracht haben. Nach all den Jahren wäre ein neuer Antagonist mehr als überfällig.
Neue Facetten bringt der Konflikt in Born Again Staffel 2 nicht hervor. Es ist das ewig gleiche Hin und Her, wobei dieses Mal die Lakaien im Vordergrund stehen. Das lässt die Handlung stocken und ist wegen Casting-Entscheidungen schwer mitanzusehen. Dreiviertel der Handlung wird über irgendetwas gesprochen, was passiert ist oder passieren könnte. Warum auch zeigen, wenn es viel billiger geht?
Es scheint fast so, als könnte man zu Daredevil rein gar nichts Neues mehr erzählen. Alte Freunde und Gegner werden aufgerufen, halbstündig zum Status befragt, um sie dann wieder verschwinden zu lassen. Foggy Nelson, den ehemaligen Partner Daredevils, holt man wieder zurück. Nicht von den Toten, sondern in Rückblenden. Solche, die aussehen, als wären sie aus der alten Serie.
Das ist gleichermaßen provokant wie unnötig. Es zeigt vor allem, dass der Look und das Setting durchaus möglich wären. Einerseits will man sich vom Original unterscheiden, andererseits klebt man andauernd an Staffel 1-3 von Marvel’s Daredevil. Von einer Wiedergeburt kann so kaum die Rede sein. Jegliche Stärken versucht man aus Nostalgie längst vergangener Zeiten zu erzeugen.
Daredevil: Born Again hat aus den Schwächen der ersten Staffel nichts gelernt. Ganz im Gegenteil, in Staffel 2 werden sie in den Vordergrund gerückt. Zu viel verkommt in banalen Dialogen. Die Kämpfe sind nur kurze Spannungsmomente, die immer dem gleichen Schema folgen. Frühere Figuren sollen alte Fans darüber hinwegtäuschen, dass kaum etwas erzählt wird. Charaktere wie Jessica Jones wirken zwangsläufig reingeschrieben.
Zumindest das Finale trumpft ordentlich auf. Da bekommen wir gute Action in Kombination mit Spannungen im Gerichtssaal. Es ist aber noch lange keine gute Staffel, weil man 2 Folgen lang Schauwerte bietet. Zu vieles von Daredevils gespaltener Identität bleibt in der neuen Serie egal. Das Blindsein ist nur noch Mittel zum Zweck. Entsprechendes Sounddesign kann man an einer Hand abzählen, originelle Wendungen sucht man besser gar nicht. Der Zeitpunkt war nie besser, sich noch einmal die alte Serie anzuschauen.


