Ed und Lorraine Warren, die größten Dämonologen des Kinos, sind zurück – vielleicht zum letzten Mal. Ein Abschied zwischen Tüll und Tränen unter einem Schleier des Schreckens.
In den zwölf Jahren seit The Conjuring (2013) wuchs das gleichnamige Filmuniversum um 9 Filme. Durch Prequels und Sequels bewegten wir uns in der Zeit vor und zurück. Umso weniger überraschend ist es, dass Conjuring 4: Das letzte Kapitel ganz am Anfang ansetzt. Wir sehen die Warrens beim Kennenlernen und bei einem frühen Fall der langjährigen Karriere. Momente, welche die Stimmung für den Rest des Films setzen werden.
Im Mittelpunkt steht vermeintlich der letzte große Fall des Ehepaars: Die Familie Smurl wird von einem besonders grausamen Dämon heimgesucht – angeblich der gefährlichste, dem die Warrens je begegnet sind. Doch bis das Ehepaar wirklich zum Einsatz kommt, vergeht sehr viel Zeit. Regisseur Michael Chaves streut dabei immer wieder vereinzelte Horrorelemente ein, um die gepflegten Horrorfans im Bann zu halten. Oft wirkt es aber so, als hätte man zu spät gemerkt, in welchem Genre man operiert.
Hinter der düsteren Fassade versteckt sich – und das nicht besonders gut – vor allem eines: ein klassischer Abschiedsfilm. Der Schrecken verkommt zum Begleitrauschen einer emotionalen Familiengeschichte. Ed Warren ist gesundheitlich kaum mehr in der Lage, aktiv an Fällen teilzunehmen. Die Ambivalenz zwischen Wille und Möglichkeit wird zur Konstante. Ergänzt wird das durch eine groß angelegte Staffelstabübergabe. Wir reden schließlich von einem großen Franchise. Ein Ende der Warrens ist kein Ende der Geschichten. Tochter Judy und ihr neuer Partner Tony treten immer weiter in den Vordergrund. Türen werden verschlossen, andere geöffnet – nicht nur metaphorisch, sondern bei allem Kitsch auch visuell manifestiert.
Conjuring 4 setzt alles auf die emotionale Bindung, die wir seit über einem Jahrzehnt zu den Figuren aufgebaut haben. Es ist das Horror-Äquivalent zu The Equalizer 3, der ebenfalls einen versöhnlichen (wenn auch sogar brutaleren) Abschied inszenierte. Wenn man sich darauf einlassen kann, trifft der Film voll ins Schwarze und setzt einen heimeligen Schlussstrich. Wer die Figuren aber schon immer als zweckmäßiges Horrorbeiwerk gesehen hat, wird wohl kaum aus dem Augenrollen kommen.
Fazit
Conjuring 4: Das letzte Kapitel bleibt dem Konzept, das man vor allem mit Teil 2 und 3 gefestigt hat, treu. Statt eines großen Knalles endet man mit sanftem Glockengeläute. Für Fans der Reihe ein gelungener Abschluss. In einem starken Genrejahr wird der Film neben Weapons, Bring Her Back und 28 Years Later wohl eher eine Randnotiz bleiben.


