Bunker – Kritik: Die Architektur einer isolierten Gesellschaft

Die Nachzeichnung einer Demenzerkrankung in The Father sucht bis heute ihresgleichen. Florian Zellers darauffolgender Film The Son über Depressionen rief verhaltene Reaktionen hervor. Nun feierte sein neustes Werk Bunker Premiere, das von Egomanie, Isolation und Kommunikation handelt.

Miguel Moreno (Javier Bardem) ist ein geschätzter Architekt. Seine Frau Sofia (Penélope Cruz) und er stammen ursprünglich aus Madrid, doch für seine Karriere sind sie mit ihren beiden Töchtern nach London gezogen. Während Sofia aufgrund ihres Migrationshintergrunds Karriereschwierigkeiten hat, macht der Nachbar Probleme und ein moralisch schwerwiegendes Projekt kommt auf Miguel zu.

Zeller stellt uns das Paar beim Abendessen unter Freunden vor. Miguel erzählt ihre Kennenlerngeschichte. Sie kommt gut an, doch seine Frau scheint unzufrieden, distanziert. Ein Eindruck, der sich im Laufe des Filmes weiter festigen wird.

Die Motive von Bunker werden auf mehreren, man könnte schon sagen zu vielen, Ebenen, ausgearbeitet. Für jedes Argument entsteht auch eine Situation, die verstärkend wirkt. Die angespannte Beziehung wird beispielsweise von einem Autor und dessen neuestem Werk begleitet, welches natürlich ihre aktuelle Lebenssituation beschreibt.

Unglückliche Umstände werden zweckhaft zusammengepuzzelt und doch haftet dem Drama ein starker Unterhaltungswert an. Das liegt vor allem an der authentischen Dynamik des im Mittelpunkt stehenden Paares. Zeller verzichtet auf eine klassische Hollywood-Überspitzung. Es fliegen keine Teller und es gibt auch keinen deeskalierenden Versöhnungssex.

Bunker beschreibt die zeitgenössischen Entwicklungen der Gesellschaft zwar nicht besonders gewieft, aber treffend. Der Hang zur Isolation und der argwöhnische Blick auf Andere wachsen seit Jahren. Der Film stellt dabei folgerichtige Verbindungen zum Kapitalismus und den Silicon-Valley-Milliardären her. Sie werden als Verantwortliche des Wandels benannt, die lenkend agieren, Lösungen und Visionen bereitstellen, nur um sich selbst im Elfenbeinturm, wenn auch im Untergrund, zu verstecken. 

Techakteure wie Thiel, Musk und Zuckerberg verfließen in einen mysteriösen Auftraggeber, der in leider zu kurzer Screentime von Paul Dano verkörpert wird. Er spielt einen Menschen, der vordergründig Optimismus predigt, jedoch eigentlich auf einen Kollaps des aktuellen Systems hinarbeitet.

Florian Zellers Bunker zehrt von den charismatischen Hauptdarstellern. Während das Szenario zwar sehr gewollt und nicht sonderlich tiefgründig ist, beschreibt es doch zur rechten Zeit eine gesellschaftliche Tendenz, die sich beiläufig einschleicht. Hier kann der Film mit unserer eigenen Erwartung spielen, uns einen Ausgang vortäuschen, um unsere eigene Integrität infrage zu stellen.

Bunker wurde im Rahmen des Filmfestivals in Venedig gesichtet. Ein Kinostarttermin für Deutschland ist noch ausstehend.

© Blue Morning Pictures
70/100
Total Score
Nils Zehnder
Nils Zehnder

Nils studiert Medien- und Kommunikationswissenschaft. Er schreibt seit Jahren freiberuflich über Filme und Serien und betreibt seit 2023 Filmkritik.net

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